Positives Verhalten fördern: Wie Kinder mehr von dem zeigen, was wir uns wünschen
- 31. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Warum Aufmerksamkeit oft stärker wirkt als Konsequenzen - und wie Eltern erwünschtes Verhalten im Alltag gezielt stärken können

Viele Eltern kennen dieses Gefühl:
Den ganzen Tag wird ermahnt, erinnert und korrigiert.
„Zieh bitte deine Schuhe an.“
„Hör auf, deine Schwester zu ärgern.“
„Räum deine Sachen weg.“
Am Abend bleibt oft vor allem das hängen, was nicht gut gelaufen ist.
Dabei übersehen wir manchmal etwas Entscheidendes:
Kinder brauchen nicht nur Grenzen und Orientierung.
Sie brauchen auch die Erfahrung, dass ihr positives Verhalten gesehen wird.
Aufmerksamkeit wirkt in beide Richtungen
Kinder wünschen sich Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit.
Wenn sie merken, dass ihr Verhalten wahrgenommen wird, wiederholen sie es mit größerer Wahrscheinlichkeit.
Das gilt leider für unerwünschtes Verhalten – aber genauso für positives Verhalten.
Deshalb lohnt es sich, bewusst nach den Momenten Ausschau zu halten, die im Alltag oft untergehen:
Das Kind zieht sich ohne Diskussion an.
Es teilt mit seinem Geschwisterkind.
Es hilft beim Tischdecken.
Es wartet geduldig.
Es entschuldigt sich nach einem Streit.
Viele dieser Situationen nehmen wir als selbstverständlich wahr.
Für Kinder sind sie das aber nicht.
Der kleine Trick mit großer Wirkung
Eine meiner liebsten Ideen für den Familienalltag ist erstaunlich einfach:
Sprecht positiv über euer Kind – so, dass es euch hören kann.
Zum Beispiel beim Abendessen:
„Mir ist heute aufgefallen, wie schön Emma mit ihrem Bruder geteilt hat.“
Oder:
„Ich fand es richtig toll, wie Max heute beim Tischdecken geholfen hat.“
Wichtig dabei:
Ihr sprecht nicht direkt mit dem Kind.
Ihr erzählt es scheinbar nebenbei eurem Partner oder einer anderen vertrauten Person.
Natürlich bemerkt das Kind sehr genau, was ihr sagt.
Und genau das macht den Unterschied.
Kinder fühlen sich gesehen.
Sie erleben, dass ihre positiven Seiten wahrgenommen werden.
Und oft wächst dadurch die Motivation, dieses Verhalten erneut zu zeigen.
Es geht nicht um Manipulation
Wichtig ist dabei die innere Haltung.
Kinder spüren sehr schnell, ob Lob ehrlich gemeint ist oder nur eingesetzt wird, um sie zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen.
Deshalb sollte der Fokus nicht darauf liegen, das Kind zu manipulieren.
Vielmehr hilft diese Übung auch uns Erwachsenen.
Denn sie lenkt unseren Blick bewusst auf das, was bereits gut gelingt.
Gerade in stressigen Phasen verlieren wir das manchmal aus den Augen.
Wer regelmäßig nach positiven Momenten sucht, entdeckt oft überraschend viele davon.
Beschreiben statt bewerten
Auch direkte Rückmeldungen können sehr wirksam sein.
Statt:
„Super gemacht!“
hilft oft eine konkrete Beschreibung:
„Du hast heute deiner Schwester ein Stück von deinem Kuchen abgegeben, obwohl du selbst noch Hunger hattest.“
Oder:
„Du hast deine Jacke aufgehängt, ohne dass ich dich daran erinnern musste.“
So versteht das Kind viel besser, welches Verhalten ihr wahrgenommen habt.
Kinder wachsen an dem Bild, das wir von ihnen haben
Kinder entwickeln ihr Selbstbild unter anderem durch die Rückmeldungen, die sie von wichtigen Bezugspersonen erhalten.
Wenn ein Kind immer wieder hört:
„Du bist so hilfsbereit.“
„Du gibst dir Mühe.“
„Du bist freundlich zu anderen.“
dann beginnt es, sich selbst so wahrzunehmen.
Natürlich dürfen wir Schwierigkeiten und Konflikte nicht ausblenden.
Aber wir sollten darauf achten, dass sie nicht allein das Bild bestimmen.
Fazit
Positives Verhalten entsteht selten durch ständige Kritik oder immer neue Konsequenzen.
Kinder entwickeln sich besonders gut, wenn sie erleben:
„Meine Eltern sehen mich.“
„Sie nehmen wahr, was mir gelingt.“
„Sie trauen mir etwas zu.“
Deshalb lohnt es sich, im Alltag immer wieder den Blick auf das zu richten, was bereits funktioniert.
Oft wächst genau das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken.
Familienberatung: Mehr Verbindung im Familienalltag
Fühlt sich euer Familienalltag gerade anstrengend an? Gibt es viele Konflikte, Diskussionen oder Unsicherheiten beim Setzen von Grenzen?
In meiner Familienberatung unterstütze ich Eltern dabei, ihr Kind besser zu verstehen, liebevoll Grenzen zu setzen und wieder mehr Leichtigkeit in den Alltag zu bringen.
Gemeinsam schauen wir auf eure individuelle Situation und entwickeln Wege, die wirklich zu eurer Familie passen.
Mehr Informationen zur Familienberatung findet ihr hier.
Sophia Pawisa, Familienberaterin in Kirchheim unter Teck und Umgebung

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