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Warum ein "Wenn-dann" nicht automatisch eine Drohung ist

vor 3 Tagen
2 Min. Lesezeit

Grenze oder Drohung? Darin liegt der Unterschied

„Wenn du weiter auf dem Stuhl kippelst, dann kommst du runter.“

Ist das schon eine Drohung?

Diese Frage begegnet mir in Gesprächen mit Eltern immer wieder und war auch schon bei meinen Elternabend-Vorträgen Thema. Viele Eltern möchten ihre Kinder liebevoll begleiten, klare Grenzen setzen und gleichzeitig auf keinen Fall mit Drohungen oder Strafen arbeiten.

Und genau deshalb entsteht immer wieder Unsicherheit:

Bin ich überhaupt noch liebevoll, wenn ich meinem Kind sage, was passiert, wenn es eine Grenze überschreitet?

Die Unterscheidung zwischen einer Grenze und einer Drohung, die Dr. Siggie Cohen in ihrem Beitrag „What’s The Difference Between A Threat And A Boundary?“ beschreibt, fand ich deshalb besonders hilfreich. Im diesem Artikel greife ich ihre wichtigsten Gedanken dazu auf.

Nicht jedes „Wenn-dann“ ist eine Drohung

Ein „Wenn-dann“ klingt zunächst einmal schnell nach einer lieblosen Drohung. Aber die Formulierung allein entscheidet nicht darüber.

Schauen wir uns typische Alltagssituationen an:

  • „Wenn du weiter auf dem Stuhl kippelst, dann kommst du runter.“

  • „Wenn du mit dem Spielzeug wirfst, dann nehme ich es für heute weg.“

  • „Wenn du mich haust, dann gehe ich ein Stück zurück.“

  • „Wenn du deine Schuhe nicht selbst anziehst, dann helfe ich dir dabei.“

  • „Wenn du beim Zähneputzen nicht mitmachst, dann putze ich deine Zähne für dich.“

  • „Wenn du weiter mit Wasser spritzt, dann ist die Badezeit für heute vorbei.“


Das sind alles klare Ansagen. Und trotzdem sind sie nicht automatisch Drohungen.

Denn hier geht es nicht darum, dem Kind Angst zu machen oder eine möglichst große Strafe anzukündigen.

Es geht darum, eine Grenze zu setzen – und sie auch einzuhalten.

Wann wird aus einer Grenze eine Drohung?

Eine Drohung entsteht häufig dort, wo mit Angst, Einschüchterung oder einer unverhältnismäßigen Strafe gearbeitet wird.

Zum Beispiel:

  • „Wenn du jetzt nicht aufhörst, bekommst du den ganzen Tag kein Essen!“

  • „Wenn ihr noch einmal streitet, gehen wir nie wieder auf den Spielplatz.“

  • „Wenn du noch einmal so mit mir redest, darfst du eine Woche lang gar nichts mehr.“

Hier steht die angekündigte Konsequenz nicht in einem sinnvollen Zusammenhang mit dem Verhalten.

Dr. Siggie beschreibt Drohungen als emotional aufgeladene Reaktion, die aus Frust, Überforderung oder dem Gefühl entstehen kann, anders nicht weiterzukommen. Grenzen dagegen sind bewusst, klar und vorhersehbar und lassen Raum für die Gefühle des Kindes.

Eine kleine Orientierungshilfe

Eine hilfreiche Frage kann deshalb sein:

Was sage ich meinem Kind gerade eigentlich?

👉 „Das werde ich tun." Das kann eine klare Grenze sein.

👉 „Das werde ich dir antun, wenn du nicht gehorchst.“ Dann lohnt sich ein genauerer Blick: Geht es gerade noch um Orientierung – oder schon darum, durch Angst Gehorsam zu erreichen?


Fazit

Wenn wir sagen: „Wenn du weiter auf dem Stuhl kippelst, dann kommst du runter“, geht es nicht darum, unser Kind einzuschüchtern oder ihm Angst zu machen. Wir übernehmen Verantwortung für die Situation und sagen klar, was wir tun werden, wenn es so nicht weitergehen kann.

Deshalb drohen wir nicht. Deshalb sind wir nicht lieblos. Wir setzen einfach nur eine klare, ruhige Grenze, wenn es nötig ist.






Sophia Pawisa, Familienberaterin und Referentin in Stuttgart und Umgebung


 
 
 

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